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Im Jahr 2015 hat AVIS (genau — die Autovermietung) die aus ihrer Sicht 25 besten Straßen der Welt gekrönt. Oder, um es etwas genauer zu fassen, die Straßen, die den meisten Fahrspaß versprechen. Ihre Nummer 1 befindet sich in Portugal, genauso wie Nummer 14 und Nummer 16. Da stellt sich natürlich ein große Frage: Wie fantastisch sind diese Straßen wirklich? Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, genau das herauszubekommen!

In meinem ersten Artikel in diesem Jahr habe ich auch ein paar meiner Ausflugspläne für 2017 angeschnitten. Einer dieser Pläne ist es, einige der besten Straßen der Welt abzufahren. Etwas detaillierter sieht das so aus:

  • einen preiswerten Flug nach Porto buchen,
  • eine halbwegs sportliches Auto buchen,
  • drei der besten, das heißt fahrvergnüglichsten, Straßen der Welt mitnehmen (wenn man darin einer amerikanischen Autovermietung trauen kann),
  • einen oder zwei zusätzliche, sonnige Tage an der Algarve verbringen,
  • das Auto abgeben und von Faro zurück nach Hause fliegen.

Das sollte doch machbar sein, oder?

Ein paar klitzekleine Einschränkungen

… looks like fun, doesn’t it?

Nach erster Recherche musste ich feststellen: Ganz ohne Kompromisse kriege ich das dann wohl doch nicht hin. Portugiesische Landstraßen…, das erfordert eigentlich einen Roadster. Leicht, offen, tief — genauso, wie ein Auto sein sollte, finde ich — im Autoverleih ist das allerdings noch nicht so richtig angekommen. Weil also ein kleiner, vielleicht japanischer Roadster als Einwegmietfahrzeug anscheinend unmöglich zu finden ist und mir ein richtiger Sportwagen zu teuer, heißt das wohl eher sowas wie einen 1-er BMW als Diesel. Aufregend, nicht wahr? Naja, solange es kein Peugeot ist, sollte das schon passen.

Außerdem liegen die drei ausgezeichneten Strecken auch nicht gaaanz so nah beieinander. Ein wenig Wegstrecke dazwischen, sozusagen als Verbindungsetappen, ist dann wohl doch auf Schnellstraßen zu absolvieren. Oder etwas mehr Zeit muss eingeplant werden und der Ausflug wird dann zu einem richtigen Roadtrip. Aber, hey, ein Roadtrip durch Portugal — auch nicht schlecht. Ich bin sicher, dass es da eine ganze Menge spannendes zu sehen gibt! Wir werden sehen…

Die Traumstraßen (also laut Internet)

Dom Luis Bridge, Porto

Am Flughafen in Porto angekommen, sieht der Plan vor, direkt dort das Auto einzusammeln und den Tag in der Stadt zu verbringen, um mir die Sehenswürdigkeiten dort anzuschauen (zum Beispiel die Dom Luis Brücke von Eiffel, die Stadtpaläste, den Hafen und so weiter und so fort). Am nächsten Tag geht es dann weiter nach Peso da Régua, mickerige 100km östlich gelegen. Und weil die alte Regel, daß man sich das beste für den Schluß aufheben sollte, ja eigentlich Quatsch ist, fangen wir gleich mit dem Paradestück der AVIS-Liste an, der angeblich fahrvergnüglichsten Straße der Welt.

N-222: Cruising durch das Douro-Tal (Rang 1)

AVIS behauptet, dass die N-222 von Peso da Régua nach Pinhão die ultimative Fahrerfahrung der Welt darstellt. Also quasi eine Offenbarung sein muß. Das ist mal eine ordentlich Aussage. Wie man der Webseite entnehmen kann, verbindet die Route großartige Fahrerlebnisse mit großartigem Wein — eine Kombination, die bei jeder Polizeikontrolle bestimmt auf absolutes Verständnis stößt. Ich zitiere mal von der Seite:

The Douro at Regua

“The road takes drivers along a glorious road that hugs the River Douro, enjoys spectacular views over the vineyards near the river, and finishes in the picturesque wine town of Pinhão. The stretch of 27km mapped includes 93 bends keeping drivers on their toes and allowing them to experience the car’s handling power, whilst offering frequently changing viewpoints. The Douro Valley is the home of Porto wine, and this region became the world’s first wine region to have a formal demarcation. The Douro winemaking region was declared a World Heritage Site in 2001, by UNESCO.” — zitiert von der AVIS Webseite.

Ist das alles nur Übertreibung? Wenn ja, dann gibt es wenigsten am Ende der Strecke genug Portwein, um seine Enttäuschung darin zu ertränken. Aber vielleicht ist die Fahrt ja wirklich so hervorragend, wie beschrieben. In dem Fall: Prost auf die Freude!

ADR-Score: 11.3:1 (d.h., 11.3 Sekunden auf Geraden für jede Sekunde, die man in einer Kurve verbracht hat — AVIS hat berechnet, dass das ideale Verhältnis bei 10:1 liegt, ermittelt anhand einer hochmodernen wissenschaftlichen Methode und einem esoterischen Konzept mit dem Namen Mathematik).

Verbindungsetappe: Pinhão nach Sintra
Nau dos Corvos, Peniche
Nau dos Corvos, Peniche

Von Pinhão zum Anfang der nächsten “Sonderprüfung” sind es so Pi mal Daumen 420 km. Auf diesem Weg liegen Coimbra, mit seiner angeblich sehr schönen Lage am Fluß, und Peniche, das einen schönen Hafen, weiße Windmühlen, schicke Kapellchen und lange Sandstrände haben soll. Unterhaltung und Panoramen bei den Zwischenstopps scheinen also sichergestellt. Hervorragend!

Ab Peniche geht es weiter auf der N-247, der Küste nach Süden folgend. Ja nachdem ob es die Jahreszeit zuläßt würde sich ja hier auch mal ein kleiner Sprung in den Atlantik anbieten… oder der Versuch, mal eine Runde zu surfen (also auf einem Brett, nicht im Internet). Die Region soll einige der besten Surfspots Europas haben. Einen ungelenken Versuch wär’s wohl wert.

N-247/Avenida do Atlântico: Eine Fahrt zum Strand (Rang 14)

A home in the Sintra-Cascais Natural Park
A picturesque home in the Sintra-Cascais Natural Park

Die Fahrt durch den Sintra-Cascais Naturpark von Sintra zum sandigen Strand von Praia das Maças verspricht eine Mischung von engen Windungen und länger gezogenen, geschwungen Kurven. Und während man sich auf der Straße vergnügt, gleiten reich bebäumte Hänge und saftig grüne Bergtäler vorbei. Hört sich doch toll an! Als weitere Belohnung am Ende der 12km langen Strecke hoffe ich auf einen ebenso tollen Meerblick — zu dem würde dann auch ein Abendessen mit Meeresfrüchten hervorragend passen!

ADR-Score: 2.6:1 (d.h., 2.6 Sekunden auf Geraden für jede Sekunde, die man in einer Kurve verbracht hat).

Verbindungsetappe: Praia das Maças nach São Marcos da Serra
Vasco da Gama Bridge
The Vasco da Gama Bridge

Die Etappe von Praia das Maças nach São Marcos da Serra ist etwa 280km lang. Der Weg führt am Rio Tajo entlang nach Lissabon — eine weitere Stadt, in der sich sicher ein oder zwei Tage ganz vorzüglich verbringen lassen (wenn die Zeit reicht). Auf der Vasco-da-Gama-Brücke über den Tajo geht es dann prompt weiter in Richtung Süden, der sonnigen Algarve entgegen. Dort wartet die letzte der von AVIS empfohlenen Strecken in Portugal auf mich.

N-267: Ahhh…lgarve (Rang 16)

The Algarve
Ahhh, the Algarve

Die abschließende (und “nur” mit Rang 16 im weltweiten Vergleich bewertete) Strecke verläuft von São Marcos da Serra nach Monchique: Eine schmale, kurvige Landstraße, die durch traditionelle Dörfer führt und, laut Beschreibung, herausfordernde Kurven und wunderbare Panoramen bieten soll. Ein kurzer Halt in der kleinen Stadt sollte eine schöne Mittagspause darstellen, in der man wohl sehr gut die pittoreske Kirche und Verfallene Bauernhöfe erkunden kann. Nach der Ankunft in Monchique sollte man sich an einem sonnigen Tag den Gipfel des Fóia nicht entgehen lassen. Für die zusätzlichen Kilometer wird man wohl mit einer spektakuälren Aussicht auf die Algarve entschädigt.

ADR-Score: 2.1:1 (d.h., 2.6 Sekunden auf Geraden für jede Sekunde, die man in einer Kurve verbracht hat).

Zum Abschluss

Da wir (wenn ich euch, liebe Leser, mitnehmen darf) dann ja schon mal in der Algarve sind, können wir es uns da auch noch einen oder zwei Tage bei Sonnenschein gut gehen lassen, oder? Das habe ich zumindest vor, bevor ich entweder von Faro oder von Lissabon wieder heimfliege. Das Ganze sollte in 5-7 Tagen machbar sein, ohne in allzu große Hektik zu verfallen. Als Reisezeitraum habe ich mal den frühen September angepeilt.

Ok, soviel dann erstmal zu dieser Planungssitzung. Ein paar andere kleine Fluchten sind auch schon in Vorbereitung — demnächst dazu mehr! Wenn ihr auch Lust auf ein (portugiesisches) Straßenabenteuer habt, bin ich gespannt, eure Pläne zu hören! Auf jeden Fall werde ich euch wissen lassen, ob die beste Straße der Welt wirklich in Portugal zu finden ist.

Euer Sascha

9 COMMENTS

  1. Da ich meinen Job gewechselt habe, muss unser Plan nach Brasilien zu fliegen verschoben werden. Und rate mal wohin es uns verschlägt?! Ende März planen wir gerade 10 Tage Portugal. Wir wollen uns allerdings ausgiebig Zeit für Faro, die Algarve und Lissabon nehmen. Der genaue Plan steht allerdings noch nicht.

  2. Bin schon gespannt auf deine Berichte und Fotos 🙂 Haha und welches Auto es dann im Endeffekt wird 😛 Eigentich wäre dann doch auch Dachzelt cool oder? Oder zumindest Zelt mitnehmen, habe gelesen dass Wildzelten in Portugal erlaubt ist 🙂

    Lieben Gruß aus dem langweiligsten Land um Auto zu fahren:die Niederlande 😀

  3. Oh die Algarve, na da wirst du einen tollen Urlaub haben. Ich war vor zwei Jahren auf der Höhe von Faro zum Surf & Yoga Retreat und war total begeistert.
    Ein Roadtrip der Küste entlang ist eine sehr coole Idee und so sieht man natürlich richtig viel.
    Da bin ich schon jetzt auf die Fotos gespannt:)

    Liebe Grüße
    Nicole vom Reiseblog PASSENGER X

  4. Meine erste Frage, bei der Überschrift hast du umgehend beantwortet.
    Denn ich wollte wissen, wer sagt, was di schönsten Straßen sind? Doch jetzt weiß ich es.
    Du machst richtig Lust diese Ecke näher unter die Lupe zu nehmen. Ganz nach dem Motto: Portugal ich komme 🙂
    Denn mir fehlt noch ein Reiseziel 2017

    Viele Grüße
    Katja

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